Wo Klassik und Moderne sich die Hand gaben…

Der Musikverein Reetz lud zum traditionellen Neujahrskonzert

Von Stephan Winand

Auch in diesem Jahr sind die Freunde exzellenter Blasmusik wieder einmal voll auf ihre Kosten gekommen. Denn der Musikverein Reetz veranstaltete am Samstag, dem 9. Januar 2016 abermals sein traditionelles Neujahrskonzert, und konnte damit an die Erfolge der letzten Jahre anknüpfen. Dass die Qualität der letztjährigen Konzerte sich herumgesprochen hat, zeigte nicht zuletzt das ausverkaufte Haus, in dem kurz vor Konzertbeginn sogar noch Zusatzbestuhlung herangeschafft werden musste.

Zum Auftakt wählte Dirigent Jörg Schramm ein Arrangement der Filmmusik „JAG-Im Auftrag der Ehre“, welches dem Zuhörer im Arrangement von Bruce Broughton wie ein großer, harmonischer Klangteppich nahezu entgegenrollte. Im Anschluss daran begrüßte der 1. Vorsitzende des Vereins, Wilfried Lindenlauf, das Konzertauditorium und die anwesenden Ehrengäste aus Politik und musikalischem Umfeld.

Im Anschluss fuhr man im Programm mit dem außergewöhnlichen Walzer „Natalies Traum“ von Dominik Biedermann fort, der den Zuhörer gedanklich zwischen Konzerthaus und Wirtshaus wandeln ließ.

Der für Klassikfans wohl eindeutige Höhepunkt im ersten Teil war das bekannte „Ave Maria“ von Franz Schubert, aus der Arrangierfeder von Haakon Esplo. Dieses ursprünglich nicht als Gebet gedachte Arrangement brachte den ersten, gewünschten Kontrastpunkt im Konzert, mit dem Jörg Schramm einerseits viel Mut bewies, andererseits genau so viel musikalische Qualität in das Konzert brachte. Nachdem der letzte Ton des Flügelhorn-Solisten Thomas Heinen erklungen war, dankte das Publikum mit frenetischem Applaus.

Die Polka „Augenblicke“ erfreute mit ihrer frischen Atmosphäre den ganzen Saal und ließ eine regelrechte „Love, Peace and Blasmusik“-Atmosphäre aufleuchten. Ein „Symphonisches Highlight“ wurde mit „Gladiator“ gesetzt. Die Klänge des Stücks, gepaart mit der blutroten Illuminierung der Bühne, nahmen den Zuhörer mit in das Jahr 192 n. Chr. und ließen bruchstückweise Gladiatorenszenen vor dem inneren Auge aufblitzen. Doch schon nach kurzer Zeit wurde man aus den Kolosseum wieder in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entführt, bei dem die Beach-Boys im Medley einen Kontrapunkt setzten.

 

Im Anschluss daran konnte Kreisvorsitzender Günter Schramm die Herren Wilfried Lindenlauf und Helmut Prämassing für jeweils 30 bzw. 20 Jahre musikalischen Dienst ehren. In den jeweiligen Ansprachen steckte eine Menge Emotion und zeigte, dass neben der aktiven Mitgliedschaft im Orchester immer auch ein Stück Kameradschaft und persönlicher Einsatz erforderlich sind. Der erste Teil endete dann mit der Polka „Am Seehafen“ und setzte damit einen so typischen Schlusspunkt.

 

Nach der 20-minütigen Pause fuhr man mit dem Marsch „Vindobona“ fort; einem „Bonbon“ von Karl Komzak für alle „Traditionalisten“. Jacob de Haan, Lieblingsarrangeur von Schramm, vereinte in „Queens Park Melody“ Barock und Pop und bot den Solisten Thomas Heinen und Posaunist Michael Hellendahl eine gute Grundlage, ihr Können zu beweisen.

 

Aufgeheizt ging es schwungvoll weiter mit „Lasst uns feiern“, und animierte die Zuhörer damit zum mitklatschen, bevor das Orchester den Anspruch erneut hochsetzte: „Little Concerto“, einem kleinen Konzert in drei Sätzen, dass erneut Können und Präzision der Künstler forderte. So konnten im 1. Satz Matthias Brenner, im 2. Satz Arno Schmitz, und im 3. Satz Hermann Brenner als federführende Solisten glänzen. So passte es auch, dass man im Anschluss eine Liebeserklärung an die Oper vortrug. Dabei handelte es sich allerdings um das aus dem Jahre 1975 stammende Stück „Bohemian Rapsody“, welches aus der Feder von keinem Geringeren als Freddie Mercury stammt.

 

Für das Stück Things, das ein mehr oder minder konversationsartiges Duett simulierte, konnte Jörg Schramm, der auch gesanglicher Interpret des Stückes war, zum wiederholten Male die Sängerin Clarissa Winand gewinnen. Nach verdientem Beifall wurde man in die goldenen Zeiten der Italo-Westernfilme entführt und man konnte so bei „My name is Nobody“ in Erinnerungen schwelgen. Amüsant wurde es, als alle Musikerinnen und Musiker „Hooked on a feeling“ vortrugen – in Affenmasken. Den Schlusspunkt setzte ein „Udo-Jürgens-Medley“, bei dem das Orchester die Affenverkleidung durch standesgemäße Bademäntel ersetze.

 

Nach der „Reetzer Nationalhymne“ und dem Stück „Von Freund zu Freund“ von Martin Scharnagel, bei dem Matthias und Peter Brenner solistisch glänzten, entließ man das berechtigter Weise sehr zufriedene Publikum nach Hause. Einige nahmen die Gelegenheit wahr, den Ausführenden noch im Rahmen der „After-Show-Party“ zu gratulieren.

 

Ein sehr anspruchsvolles Konzert, mit mutigen, aber dennoch sehr passenden Höhepunkten hat wieder einmal die Konzertbesucher erfreut. Erfreulich ist auch, dass Johanna Köhle ihr konzertantes Debüt als Nachwuchsmusikerin feiern konnte. Wenn im nächsten Jahr dann noch die hin und wieder aufkommende Geräuschkulisse dezimiert wird und man den Künstlern – und nicht seinem Nachbarn – die verdiente Aufmerksamkeit für ihre Arbeit schenkt, kann das Traditionskonzert zu einer Veranstaltung der Spitzenklasse avancieren.

 

 

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