Zeitungsartikel der Kölnischen Rundschau vom 17.01.2017

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Akzente großer Filmmusik

Der Musikverein Reetz lud zum traditionellen Neujahrskonzert

Von Stephan Winand

Wer ein Freund großer kompositorischer Meilensteine der Filmmusik ist, der brauchte am vergangenen Samstag keineswegs die großen Kinos der umliegenden Städte aufzusuchen. Denn der Musikverein Reetz mit seinem Dirigenten Jörg Schramm setzte mit verschiedenen Stücken aus der cineastischen Welt äußerst hörenswerte Eckpunkte des Konzertes. Es war wohl dem Wetter und verschiedenen anderen Veranstaltungen in der Gegend geschuldet, dass das Konzertes diesjährig weniger Besucher zu verzeichnen hatte. Am Programm und der Qualität des Konzertes konnte es jedenfalls nicht liegen.

Mit „Back to the future“, bekannt aus dem gleichnamigen Film, wurde das Konzert kurz, aber prägnant eröffnet. Schon im ersten Teil zeigte sich eine präzise Abstimmung der Instrumente. Thomas Heinen, der in der Region bekannte Allroundtrompeter und Vorsitzende des gastgebenden Ensembles, eröffnete das Konzert und begrüßte die Zuhörer. Krankheitsbedingt konnte er nach einer Augenoperation diesjährig nicht mitspielen, weshalb er sein Augenmerk auf eine kurzweilige Moderation richtete. Ersetzt wurden er und einige andere abwesende, feste Ensemblemitglieder durch die ebenso renommierten Aushilfen Lukas Riethmeister, Herbert Heinz, Peter Reiferscheid und Stefan Wassong.

Weiter ging es mit Klassik (für die Tradition, ein Stück aus der Klassik in das Programm einzubeziehen, ist Schramm hinreichend bekannt): Das 1891 von Edvard Grieg komponierte „Solvejgs Song“ demonstrierte dem Auditorium, dass das Orchester auch klassisch-schwere Literatur fehlerfrei beherrscht. Im folgenden „Star-Wars“ war der Dirigent versucht, sein mit passenden Masken verkleidetes Ensemble mit einem Laser-Schwert zu dirigieren. Gottlob bemerkte er zuvor jedoch selbst, dass er damit unter Umständen seine kompletten Holzregister wegrasiert hätte, und entschied sich zum herkömmlichen Dirigat. „Wenn die Blasmusik erklingt“ von Erwin Russler und „Blütenwalzer“ von Stefan Kühndorf richtete sich dann wieder mehr an die Fans traditioneller Blasmusik. Dass eine große Botschaft nicht vieler Worte bedarf, bewiesen die Musiker mit „Gabriellas Sang“ von Stefan Nilsson. Zum Abschluss des ersten Teils durfte natürlich eine Polka nicht fehlen, und so läutete man mit „Musikalische Bauerngrüße“ die Pause ein.

Alle Facetten orchestraler Dynamik kamen beim „1809er-Marsch“ zum Tragen. „Patricia“ von Perez Prado versetzte das Publikum in das Jahr 1949. Mit der Titelmelodie zur gleichnamigen Sendung verwöhnte die Kapelle dann wieder die „Traditionalisten“ mit “Volksmusik mit Schwung“. Da jeder Musikgeschmack angesprochen werden sollte, folgte Schramm mit dem Stück „Die immer lacht“ der Disko-Sommerhittradition. Es war zwar nicht die stärkste Komposition des Abends, aber ein guter Ansatz, das ganz junge Publikum anzusprechen. Wer jetzt denkt, dass das nächste Stück vom Namen her dieser Schiene folgt, der irrt: „Geile Mucke“ von Alexander Pfluger ist in Wirklichkeit eine raffinierte Polka, die tatsächlich Ähnlichkeit mit traditioneller Blasmusik hat, und dennoch völlig anders rüberkommt. Ein hörenswertes Stück. Sommer, Sonne, Strand und einen Hauch Celentano erahnte man beim Stück „Italo Pop Classics“, bei dem Maximilian Esser und Matthias Brenner als Solisten brillierten. „Billie Jean“ von Michael Jackson und „Major Tom“ bildeten den Schlusspunkt dieses Traditionskonzertes, aus dem das Publikum Schramm und seine Truppe nicht unter zwei Zugaben entließ.

Wie in den vergangenen Jahren bleibt festzuhalten, dass das Konzert nach wie vor auf hohem Niveau stattfindet, weshalb es den einen oder die andere ärgern wird, nicht doch den Weg nach Reetz auf sich genommen zu haben. Und auch der Geräuschpegel im hinteren Teil des Saales fuhr bei Beginn praktisch auf Null, was den hart arbeitenden Künstlern den nötigen Respekt zollt, zu denen auch Wilfried Lindenlauf gehörte, der vor kurzem seinen 60. Geburtstag feierte sowie Maximilian Esser und Jacinta Brenner, die für ihre 10jährige Musikerkarriere geehrt wurden.

Wenn Tegernau nicht mal eben um die Ecke liegt…….

dann lässt man sich bei der Löschgruppe der Feuerwehr und dem Musikverein in Reetz was einfallen.

Weil die jeweiligen Höhepunkte des Jahres 2016, nämlich die Übergabe des neuen Fahrzeuges an die Löschgruppe und das 40-jährige Vereinsjubiläum der Musiktruppe nicht ohne die Gesellschaft der Freunde aus dem Schwarzwald geht, werden beide Feste kurzerhand zusammengelegt.

So  geschehen vom 27. – 29.05.2016 in einer dreitägigen Veranstaltungsreihe im und am Bürgerhaus.

Nach generalstabsmäßiger Vorbereitung beider Veranstalter in Form von Erstellung der Programmabläufe, Saalherrichtung und Quartiersuche für die über 60 Gäste, wurde der Bus

am Freitagnachmittag  mit musikalischen Heimatklängen in der gewohnten Herzlichkeit empfangen,  bevor man zu einem zünftigen Begrüßungstrunk anstiess.

Der Abend war der Einsegnung des Fahrzeuges durch Pfr. Sajan , mit kräftiger Unterstützung  von oben, sowie dem offiziellen Festakt in Anwesenheit und Begleitung der Gemeindefeuerwehrvertreter gewidmet. Der Musikverein Reetz und im Anschluss die Alleinunterhaltung mit Roland Kill am Keyboard besorgten die musikalische Begleitung.

Den Samstag verbrachten die Schwarzwälder in einer Wanderung mit Ausgangspunkt Nettersheim und einem Abschluss mit Wettbewerb und Zeitvertreib auf den Wiesen des Gehöftes der Familie Gentz zum Bauerngolfen in Keldenich. Was hätte man in unserer Region nicht passenderes anbieten können.

Der Abend stand im Zeichen der Geselligkeit, Unterhaltung und Vertiefung der Beziehungen

zu den Klängen einer niederländischen Blaskapelle aus Venray: “ Bloas um op” die schon vor 25 Jahren, damals noch im Saal der Gaststätte, aufgetreten sind. Offensichtlich waren die vergangenen Jahre an dieser Truppe auch nicht vorbeigegangen. Jedenfalls unter dem Strich

eine bunte Mischung  unterschiedlicher Völkerschaften bei uns zu Gast.

Die sonntägliche Festmesse, mitgestaltet durch Teile des MV Tegernau und in dieser Form

in der Pfarrkirche selten gehört, brachte schon das erste Gänsehautgefühl mit sich. Gesteigert wurde dieses Erlebnis durch das folgende Frühschoppenkonzert der Schwarzwälder Musikanten, unter der Leitung von Björn Kallfass, die in ihrer starken Besetzung und ihrem ausgezeichneten Vortrag den Zuhörern den erwarteten Ohrenschmaus boten. Eine kurze Pause wurde dazu genutzt, die aktiven  Gründungsmitglieder unseres Vereines durch den Volksmusikerbund und den Verein, in angemessener Form zu ehren: Hermann + Peter Brenner, Thomas Heinen und Arno Schmitz. Der Musikverein aus Freilingen unter der Leitung von Hans-Gerd Knutzen,setzte die Konzertreihe dieses Tages fort, bevor dann Hans- Toni Schneider mit dem Musikverein Hüngersdorf den blasmusikalischen Tag abschloss.

Getrübt wurde die heitere Stimmung der vergangenen Tage nur durch die unvermeidliche Abreise in das  Kleine Wiesental.  Wenn Abschied nehmen weh tut, konnte man hier mal wieder Anschauungsunterricht nehmen. Dankesworte, innige Umarmungen, und tränenreiche Rührungen gehörten, wie in all den Jahren zuvor, hüben wie drüben, zum Ankunfts- und Abschiedsritual.  Ausdruck einer tief gepflegten  Freundschaft, nicht nur bei den hier betroffenen Initiatoren  sondern auch im gesamten Ort, dort vor allem bei den Gastfamilien, die die Feierlichkeiten durch Ihre Bereitschaft zur Unterbringung für die drei Tage mal wieder beispiellos unterstützt haben.

Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass sich bereits Kinder- und Kindeskinder aus der Generation der Erstkontakte eines Peter Jaax  von vor fast 30 Jahren, zum Besuch nach Reetz anschliessen und damit dokumentieren die Verbindung und Partnerschaft aufrecht zu erhalten.

Abschliessend bemerkt, dürfte ein Außenstehender die Qualität der Partnerschaft auch in der Form und der Kreativität des Gast- und Jubiläumsgeschenkes die der MC Tegernau dem MV Reetz übergab, erkennen: eine stählerne, ca. vier Meter hohe, durch Ausfräsung beschriftete und innen beleuchte Säule ( Stehle ) die, an geeigneter Stelle, erdverbunden befestigt, die Freundschaft zwischen Tegernau und Reetz  augenscheinlich und ausdrücklich zementiert.

Helmut Prämassing

Vielen Dank an Thomas Hellendahl für die Fotos