Wenn Tegernau nicht mal eben um die Ecke liegt…….

dann lässt man sich bei der Löschgruppe der Feuerwehr und dem Musikverein in Reetz was einfallen.

Weil die jeweiligen Höhepunkte des Jahres 2016, nämlich die Übergabe des neuen Fahrzeuges an die Löschgruppe und das 40-jährige Vereinsjubiläum der Musiktruppe nicht ohne die Gesellschaft der Freunde aus dem Schwarzwald geht, werden beide Feste kurzerhand zusammengelegt.

So  geschehen vom 27. – 29.05.2016 in einer dreitägigen Veranstaltungsreihe im und am Bürgerhaus.

Nach generalstabsmäßiger Vorbereitung beider Veranstalter in Form von Erstellung der Programmabläufe, Saalherrichtung und Quartiersuche für die über 60 Gäste, wurde der Bus

am Freitagnachmittag  mit musikalischen Heimatklängen in der gewohnten Herzlichkeit empfangen,  bevor man zu einem zünftigen Begrüßungstrunk anstiess.

Der Abend war der Einsegnung des Fahrzeuges durch Pfr. Sajan , mit kräftiger Unterstützung  von oben, sowie dem offiziellen Festakt in Anwesenheit und Begleitung der Gemeindefeuerwehrvertreter gewidmet. Der Musikverein Reetz und im Anschluss die Alleinunterhaltung mit Roland Kill am Keyboard besorgten die musikalische Begleitung.

Den Samstag verbrachten die Schwarzwälder in einer Wanderung mit Ausgangspunkt Nettersheim und einem Abschluss mit Wettbewerb und Zeitvertreib auf den Wiesen des Gehöftes der Familie Gentz zum Bauerngolfen in Keldenich. Was hätte man in unserer Region nicht passenderes anbieten können.

Der Abend stand im Zeichen der Geselligkeit, Unterhaltung und Vertiefung der Beziehungen

zu den Klängen einer niederländischen Blaskapelle aus Venray: “ Bloas um op” die schon vor 25 Jahren, damals noch im Saal der Gaststätte, aufgetreten sind. Offensichtlich waren die vergangenen Jahre an dieser Truppe auch nicht vorbeigegangen. Jedenfalls unter dem Strich

eine bunte Mischung  unterschiedlicher Völkerschaften bei uns zu Gast.

Die sonntägliche Festmesse, mitgestaltet durch Teile des MV Tegernau und in dieser Form

in der Pfarrkirche selten gehört, brachte schon das erste Gänsehautgefühl mit sich. Gesteigert wurde dieses Erlebnis durch das folgende Frühschoppenkonzert der Schwarzwälder Musikanten, unter der Leitung von Björn Kallfass, die in ihrer starken Besetzung und ihrem ausgezeichneten Vortrag den Zuhörern den erwarteten Ohrenschmaus boten. Eine kurze Pause wurde dazu genutzt, die aktiven  Gründungsmitglieder unseres Vereines durch den Volksmusikerbund und den Verein, in angemessener Form zu ehren: Hermann + Peter Brenner, Thomas Heinen und Arno Schmitz. Der Musikverein aus Freilingen unter der Leitung von Hans-Gerd Knutzen,setzte die Konzertreihe dieses Tages fort, bevor dann Hans- Toni Schneider mit dem Musikverein Hüngersdorf den blasmusikalischen Tag abschloss.

Getrübt wurde die heitere Stimmung der vergangenen Tage nur durch die unvermeidliche Abreise in das  Kleine Wiesental.  Wenn Abschied nehmen weh tut, konnte man hier mal wieder Anschauungsunterricht nehmen. Dankesworte, innige Umarmungen, und tränenreiche Rührungen gehörten, wie in all den Jahren zuvor, hüben wie drüben, zum Ankunfts- und Abschiedsritual.  Ausdruck einer tief gepflegten  Freundschaft, nicht nur bei den hier betroffenen Initiatoren  sondern auch im gesamten Ort, dort vor allem bei den Gastfamilien, die die Feierlichkeiten durch Ihre Bereitschaft zur Unterbringung für die drei Tage mal wieder beispiellos unterstützt haben.

Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass sich bereits Kinder- und Kindeskinder aus der Generation der Erstkontakte eines Peter Jaax  von vor fast 30 Jahren, zum Besuch nach Reetz anschliessen und damit dokumentieren die Verbindung und Partnerschaft aufrecht zu erhalten.

Abschliessend bemerkt, dürfte ein Außenstehender die Qualität der Partnerschaft auch in der Form und der Kreativität des Gast- und Jubiläumsgeschenkes die der MC Tegernau dem MV Reetz übergab, erkennen: eine stählerne, ca. vier Meter hohe, durch Ausfräsung beschriftete und innen beleuchte Säule ( Stehle ) die, an geeigneter Stelle, erdverbunden befestigt, die Freundschaft zwischen Tegernau und Reetz  augenscheinlich und ausdrücklich zementiert.

Helmut Prämassing

Vielen Dank an Thomas Hellendahl für die Fotos

 

 

 

 

Wo Klassik und Moderne sich die Hand gaben…

Der Musikverein Reetz lud zum traditionellen Neujahrskonzert

Von Stephan Winand

Auch in diesem Jahr sind die Freunde exzellenter Blasmusik wieder einmal voll auf ihre Kosten gekommen. Denn der Musikverein Reetz veranstaltete am Samstag, dem 9. Januar 2016 abermals sein traditionelles Neujahrskonzert, und konnte damit an die Erfolge der letzten Jahre anknüpfen. Dass die Qualität der letztjährigen Konzerte sich herumgesprochen hat, zeigte nicht zuletzt das ausverkaufte Haus, in dem kurz vor Konzertbeginn sogar noch Zusatzbestuhlung herangeschafft werden musste.

Zum Auftakt wählte Dirigent Jörg Schramm ein Arrangement der Filmmusik „JAG-Im Auftrag der Ehre“, welches dem Zuhörer im Arrangement von Bruce Broughton wie ein großer, harmonischer Klangteppich nahezu entgegenrollte. Im Anschluss daran begrüßte der 1. Vorsitzende des Vereins, Wilfried Lindenlauf, das Konzertauditorium und die anwesenden Ehrengäste aus Politik und musikalischem Umfeld.

Im Anschluss fuhr man im Programm mit dem außergewöhnlichen Walzer „Natalies Traum“ von Dominik Biedermann fort, der den Zuhörer gedanklich zwischen Konzerthaus und Wirtshaus wandeln ließ.

Der für Klassikfans wohl eindeutige Höhepunkt im ersten Teil war das bekannte „Ave Maria“ von Franz Schubert, aus der Arrangierfeder von Haakon Esplo. Dieses ursprünglich nicht als Gebet gedachte Arrangement brachte den ersten, gewünschten Kontrastpunkt im Konzert, mit dem Jörg Schramm einerseits viel Mut bewies, andererseits genau so viel musikalische Qualität in das Konzert brachte. Nachdem der letzte Ton des Flügelhorn-Solisten Thomas Heinen erklungen war, dankte das Publikum mit frenetischem Applaus.

Die Polka „Augenblicke“ erfreute mit ihrer frischen Atmosphäre den ganzen Saal und ließ eine regelrechte „Love, Peace and Blasmusik“-Atmosphäre aufleuchten. Ein „Symphonisches Highlight“ wurde mit „Gladiator“ gesetzt. Die Klänge des Stücks, gepaart mit der blutroten Illuminierung der Bühne, nahmen den Zuhörer mit in das Jahr 192 n. Chr. und ließen bruchstückweise Gladiatorenszenen vor dem inneren Auge aufblitzen. Doch schon nach kurzer Zeit wurde man aus den Kolosseum wieder in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entführt, bei dem die Beach-Boys im Medley einen Kontrapunkt setzten.

 

Im Anschluss daran konnte Kreisvorsitzender Günter Schramm die Herren Wilfried Lindenlauf und Helmut Prämassing für jeweils 30 bzw. 20 Jahre musikalischen Dienst ehren. In den jeweiligen Ansprachen steckte eine Menge Emotion und zeigte, dass neben der aktiven Mitgliedschaft im Orchester immer auch ein Stück Kameradschaft und persönlicher Einsatz erforderlich sind. Der erste Teil endete dann mit der Polka „Am Seehafen“ und setzte damit einen so typischen Schlusspunkt.

 

Nach der 20-minütigen Pause fuhr man mit dem Marsch „Vindobona“ fort; einem „Bonbon“ von Karl Komzak für alle „Traditionalisten“. Jacob de Haan, Lieblingsarrangeur von Schramm, vereinte in „Queens Park Melody“ Barock und Pop und bot den Solisten Thomas Heinen und Posaunist Michael Hellendahl eine gute Grundlage, ihr Können zu beweisen.

 

Aufgeheizt ging es schwungvoll weiter mit „Lasst uns feiern“, und animierte die Zuhörer damit zum mitklatschen, bevor das Orchester den Anspruch erneut hochsetzte: „Little Concerto“, einem kleinen Konzert in drei Sätzen, dass erneut Können und Präzision der Künstler forderte. So konnten im 1. Satz Matthias Brenner, im 2. Satz Arno Schmitz, und im 3. Satz Hermann Brenner als federführende Solisten glänzen. So passte es auch, dass man im Anschluss eine Liebeserklärung an die Oper vortrug. Dabei handelte es sich allerdings um das aus dem Jahre 1975 stammende Stück „Bohemian Rapsody“, welches aus der Feder von keinem Geringeren als Freddie Mercury stammt.

 

Für das Stück Things, das ein mehr oder minder konversationsartiges Duett simulierte, konnte Jörg Schramm, der auch gesanglicher Interpret des Stückes war, zum wiederholten Male die Sängerin Clarissa Winand gewinnen. Nach verdientem Beifall wurde man in die goldenen Zeiten der Italo-Westernfilme entführt und man konnte so bei „My name is Nobody“ in Erinnerungen schwelgen. Amüsant wurde es, als alle Musikerinnen und Musiker „Hooked on a feeling“ vortrugen – in Affenmasken. Den Schlusspunkt setzte ein „Udo-Jürgens-Medley“, bei dem das Orchester die Affenverkleidung durch standesgemäße Bademäntel ersetze.

 

Nach der „Reetzer Nationalhymne“ und dem Stück „Von Freund zu Freund“ von Martin Scharnagel, bei dem Matthias und Peter Brenner solistisch glänzten, entließ man das berechtigter Weise sehr zufriedene Publikum nach Hause. Einige nahmen die Gelegenheit wahr, den Ausführenden noch im Rahmen der „After-Show-Party“ zu gratulieren.

 

Ein sehr anspruchsvolles Konzert, mit mutigen, aber dennoch sehr passenden Höhepunkten hat wieder einmal die Konzertbesucher erfreut. Erfreulich ist auch, dass Johanna Köhle ihr konzertantes Debüt als Nachwuchsmusikerin feiern konnte. Wenn im nächsten Jahr dann noch die hin und wieder aufkommende Geräuschkulisse dezimiert wird und man den Künstlern – und nicht seinem Nachbarn – die verdiente Aufmerksamkeit für ihre Arbeit schenkt, kann das Traditionskonzert zu einer Veranstaltung der Spitzenklasse avancieren.