28 Musikerinnen und Musiker bescherten Jung und Alt Kindheitserinnerungen

Der Musikverein Reetz lud zum traditionellen Neujahrskonzert

Von Stephan Winand
Fotos: Thomas Hellendahl

Die 28 Musikerinnen und Musiker um Maestro Jörg Schramm haben wieder ein einfallsreiches Programm ausgearbeitet, bei dem Jung und Alt gleichermaßen im vollbesetzten Bürgerhaus Reetz auf ihre Kosten kamen. Eröffnet wurde der Abend mit dem Titel „Musik der Heimat“, mit dem Komponist Karel Vacek ein fröhlich-festliches Stück komponiert hatte. Entgegen der Gewohnheit der vergangenen Jahre wich Dirigent Schramm damit von einer Tradition ab, den beliebten Konzertabend „ganz klassisch“ zu eröffnen. Dies tat der Atmosphäre aber keinen Abbruch, denn dieses Stück voller Dynamik sprach in ehrlich-volkstümlicher Manier die Fans sämtlicher Blasmusik-Genres an.

Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden Wilfried Lindenlauf, der in seiner Anmoderation aus aktuellem Anlass dem Publikum neben den obligaten Neujahrswünschen auch passender Weise „Frieden“ wünschte, legte das Orchester mit „Walzing Matilda“ von Tom Waits ein eher modernes Stück nach, was aber vom Empfinden her den „klassischen“ Auftakt nachholte. Brilliante Tenorhörner, filigraner Einsatz des kleinen Holzes und ein geradezu sinfonischer Einsatz der Kesselpauken machten dieses Stück aus.

„Tränen der Liebe“ stellte sich als eine gut gemeisterte Herausforderung für die Flöten heraus, das kurz danach mit „Zaubermelodie“ getoppt wurde. Hier gab Matthias Brenner mit seiner Trompete sein fantastisches Debüt als Solist. Den wohl für viele als Höhepunkt im ersten Teil anzusehenden Titel “Bugs Bunny and friends“ versetze Jung, Älter und Alt in Kindertage zurück. So wurden in diesem Potpourri im Arrangement von Erwin Jahreis populäre Melodien alter und neuer Kindersendungen dargeboten. Trotz des hohen Anspruchs dieses Stücks klang der Vortrag leicht und gekonnt. „Leicht und gekonnt“ klang auch „Schöne Ferienzeit“ mit einer anrührenden Melodieführung. Wie im letzten Konzert ebenfalls verpflichtete der Musikverein Reetz für mehrere Gesangsstücke die Sängerin Clarissa Winand, die an dieser Stelle mit dem durch Amy Winehouse bekannt gewordenen Stück „Valerie“ das Publikum zum wiederholten Male zu frenetischem Applaus zwang.

Nach den Ehrungen für 30 bzw. 10 Jahre aktiven Musikdienst, über die sich Alexandra Graff, Günter Schramm, Jörg Schramm, Anna Czazkowski, Amelie Franzen, Christian Brenner, Ammon Brenner und Matthias Brenner freuen konnten, brachte man vor der Pause noch das gehaltvolle „Blasmusik zu jeder Stund“ zu Gehör.

Mit einer gehörigen Portion volkstümlicher Elemente ging es mit „Mein Musikantenleben“ nach der Pause weiter, bevor Thomas Heinen als Trompetensolist das Publikum mit „Solamente una vez“ auf die Reise nach Südamerika nahm. Im Stück „Son of a preacherman“ konnte dann Clarissa Winand alle stimmlichen Nuancen entfalten. In einem solchen Konzert gehören sicherlich Stücke wie die „Annafestpolka“ und „Queen – greatest Hits“ zum Pflichtprogramm. Letzteres setzte einen weiteren Akzent im zweiten Teil des Konzertes. Im Stück „Something stupid“ hatte Jörg Schramm seine Premiere als Sänger und versetzte das Auditorium mit Clarissa Winand in die Zeiten von Frank und Nancy Sinatra. Das größte Pech bei einem Konzert dieser Größe ist der Ausfall eines Mikrofons. Dennoch konnte die Sängerin diese Unzulänglichkeit kompensieren und sang – ebenfalls mit dem Dirigenten – „Ein schönes Fleckchen Erde“. Da passte es sehr gut, das man weiterhin „atemlos durch die Nacht“ zum Ende eines gelungenen Konzertes kam.

Zum Schluss des offiziellen Teils hatte Jörg Schramm leider die Aufgabe, seinen Tubisten und Vater, Günter Schramm, in den musikalischen Ruhestand zu schicken. In seinen Dankesworten hob Schramm sen. hervor, stets gerne musiziert zu haben, und verabschiedete sich natürlich nicht vom Publikum, ohne seine zukünftige Aushilfsbereitschaft preiszugeben.

Mit dem traditionellen „Boz’ner Bergsteigermarsch“, „Im Wagen vor mir“ und der „Oppacher Polka“ verabschiedete sich der Musikverein Reetz mit drei Zugaben vom begeisterten Publikum. Es zeigte sich erneut, dass Jörg Schramm und „seine Reetzer“ ein Händchen dafür haben, mit Professionalität und breitgefächertem Repertoire die Menschen zu begeistern und in ihren Bann zu ziehen.

Rundschau

Fotos zum Konzert

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